Thede: Forderungspaket kostet eine Menge Geld, das für Zukunftsinvestitionen nicht mehr zur Verfügung stünde

Der Vorsitzende der Bezirksgruppe Reutlingen des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Reiner Thede hat die IG Metall aufgefordert, bei den am Mittwoch dieser Woche beginnenden Tarifverhandlungen in der baden-württembergischen Metall- und Elektroindustrie (M+E) der gemeinsamen Verantwortung der Tarifpartner für gute und sichere Arbeitsplätze im Land gerecht zu werden. „Die Gewerkschaftsforderung nach sechs Prozent Lohnsteigerung sowie einem Recht auf Arbeitszeitverkürzung mit teilweisem Lohnausgleich passt dazu überhaupt nicht, sie ist auch schlicht zu teuer“, sagte Thede. „Wir appellieren an die IG Metall, in den Verhandlungen die Zukunft der Jobs in den Blick zu nehmen.“

Die M+E-Unternehmen hätten mit Digitalisierung und Elektromobilität gewaltige Herausforderungen vor der Brust, erklärte Thede: „Um künftiges Geschäft und damit die Jobs am Standort zu sichern, müssen die Unternehmen hier erheblich investieren. Das kostet eine Menge Geld, das – durch die Forderung der IG Metall erst einmal verkonsumiert – nicht mehr zur Verfügung stünde.“ Er appellierte an die Beschäftigten, gemeinsam mit den Unternehmen dafür zu sorgen, dass die notwendigen Investitionen am heimischen Standort stattfinden könnten.

Der M+E-Industrie gehe es derzeit sicherlich ordentlich. Deshalb dürften die Beschäftigten auch in dieser Tarifrunde damit rechnen, angemessen am Erfolg der Unternehmen beteiligt zu werden, ergänzte Dr. Jan Vetter, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Reutlingen: „Aber die von der IG Metall angestrebten sechs Prozent Entgeltsteigerung würden die Arbeitskosten massiv in die Höhe schnellen lassen. Das wäre vor allem deshalb so gefährlich für die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und damit auch für die Arbeitsplätze in Deutschland, weil die Löhne schon in den vergangenen Jahren kräftiger gestiegen sind, als dies angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung eigentlich geboten gewesen wäre.“

Im Schnitt verdiene ein M+E-Arbeitnehmer in Baden-Württemberg inzwischen 64.000 Euro im Jahr, rechnete Vetter vor. Die Tarifabschlüsse addierten sich seit 2000 auf mehr als 60 Prozent, allein seit 2012 auf rund 20 Prozent. Die maßgebliche Produktivität habe zuletzt aber kaum noch zugelegt. „Wir sind stetig teurer geworden. Das kann auf die Dauer nicht gut gehen“, sagte er: „Denn viele ausländische Wettbewerber haben in den vergangenen Jahren große Fortschritte bei Qualität und Qualifikation ihrer Beschäftigten gemacht, liegen aber bei den Arbeitskosten zum Teil deutlich unter den unsrigen.“

Auch das von der IG Metall für die Arbeitnehmer geforderte Recht, die Arbeitszeit einseitig auf 28 Stunden verkürzen zu können, gehe in die völlig falsche Richtung, erklärte der Bezirksgruppen-Vorsitzende Thede: „Weil qualifiziertes Personal fehlt, bleiben schon jetzt Aufträge liegen. Deshalb muss es möglich sein, dass mehr Beschäftigte als bisher flexibler sowie länger arbeiten und mehr verdienen dürfen, wenn sich Betrieb und Mitarbeiter darüber einig sind.“
Denn könnten die Unternehmen nicht zeitnah liefern oder verzögerten sich Neuentwicklungen, würden die Kunden und mit ihnen die Jobs dauerhaft verschwinden, warnte Thede. Es müsse also gesichert sein, dass die anfallende Arbeit auch geleistet werden könne. „Erst dann können wir darüber reden, ob Mitarbeiter in bestimmten Fällen auch kürzer treten können, wofür wir durchaus Verständnis haben“, sagte er: „Für die allermeisten Arbeitszeit-Wünsche der Beschäftigten wird in den Betrieben ja auch heute schon pragmatisch eine Lösung gefunden.“

Die Gewerkschaftsforderung nach einem teilweisen Entgeltausgleich für bestimmte Beschäftigtengruppen (Beschäftigte mit Kindern, mit Pflegebedarf oder in Schichtarbeit) bei verkürzter Arbeitszeit bezeichnete Vetter als nicht nachvollziehbaren Systemwechsel: „Das ist eine Frage der Gerechtigkeit – wer mehr arbeitet, muss mehr Geld bekommen, wer weniger arbeitet, hingegen weniger.“ Die IG Metall müsse das Prinzip ‚Gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘ schon ernst nehmen, sagte er: „Stellen Sie sich die Frau und Mutter vor, die seit Längerem wegen der Kinder nur vier Tage die Woche arbeitet und dafür keinen Teilausgleich bekommt. Und dann reduziert ihr männlicher Kollege von fünf ebenfalls auf vier Tage und bekommt mehr Geld dafür. Auf solch eine Ungleichbehandlung dürfen wir uns als Arbeitgeber auf keinen Fall einlassen.“