NiedersachsenMetall und IG Metall einigen sich auf Tarifvertrag für die niedersächsische Metall- und Elektroindustrie

Die Tarifvertragsparteien der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie haben sich heute auf einen Tarifabschluss für die 115.000 Beschäftigten der Branche verständigt. Dabei wurde in allen wesentlichen Teilen der Pilotabschluss aus Baden Württemberg vom 06. Februar übernommen. Dieses Ergebnis kommentiert Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer von NiedersachsenMetall, wie folgt: „Das Ergebnis ist zunächst einmal teuer für unsere Industrie. Auf der Habenseite steht aber eine lange Laufzeit von 27 Monaten, was unseren Betrieben viel Planungssicherheit gibt. Dazu konnten wir viel beim der Flexibilisierung der Arbeitszeiten erreichen. Das macht dieses Ergebnis insgesamt zu einem tragfähigen Gesamtpaket.“

Der Tarifabschluss beinhaltet eine Einmaleinzahlung von 100 Euro im März für die Monate Januar bis März und ab dem 1. April 2018 eine Erhöhung der tariflichen Entgelte von 4,3 Prozent bei einer Laufzeit von 27 Monaten bis zum 31. März 2020. Im Juli 2019 folgt ein so genanntes tarifliches Zusatzgeld („T-ZUG“) in Höhe von 27,54 Prozent des Monatsentgelts, das von Eltern, Pflegenden und Schichtarbeitern unter spezifischen Voraussetzungen in acht freie Tage umgewandelt werden kann. Hinzu kommt eine weitere Einmalzahlung in 2019 von 400 Euro und ab 2020 12,3 Prozent auf Basis der Entgeltgruppe 5. Diese kann jedoch, abhängig von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens, aufgeschoben oder gänzlich gestrichen werden.

Außerdem können künftig unter bestimmten Bedingungen mehr Mitarbeiter als bisher ihre Arbeitszeit von 35 auf bis zu 40 Stunden pro Woche aufstocken. Und bis zu 50 Stunden aus den Arbeitszeitkonten der Mitarbeiter können künftig im Einvernehmen mit dem Betriebsrat ausgezahlt statt als Freizeit genommen werden. Das entspricht rechnerisch einer Stunde mehr Arbeitsvolumen pro Woche.

Die einzelnen Komponenten hatte der NiedersachsenMetall-Hauptgeschäftsführer bereits nach dem Pilotabschluss vor knapp 2 Wochen wie folgt kommentiert: „Mit einer Laufzeit von mehr als 2 Jahren bietet der Tarifabschluss viel Planungssicherheit für unsere Unternehmen, was schon ein Wert an sich ist. Dieser Tarifvertrag hat damit eine der längsten Laufzeiten, die je in der Metall- und Elektroindustrie ausgehandelt wurde. Unsere Unternehmen können damit für die kommenden 27 Monate sehr konkret die Personalkosten planen. Wir konnten außerdem eine dauerhaft wirksame Differenzierungsklausel durchsetzen. Teile der tariflichen Zusatzleistungen können künftig in Abhängigkeit von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens ausgezahlt werden.

Darüber hinaus konnten wir deutliche Erfolge bei der Frage der Flexibilisierung hin zu einem modernen Arbeitszeitsystem erreichen – und zwar nicht nur nach unten, sondern eben auch nach oben. Damit gehört die starre 35-Stunden-Woche faktisch der Vergangenheit an. Es wird künftig deutlich mehr 40-Stunden-Verträge geben können, was im Übrigen auch den Wünschen vieler Mitarbeiter entspricht: Viele wollen länger arbeiten und sie werden dies künftig auch tun können.

Auch der von der Gewerkschaft geforderte Teillohn-Ausgleich ist vom Tisch. Die IG Metall konnte sich hier nicht durchsetzen. Es bleibt beim Grundsatz ‚Gleicher Lohn für gleiche Arbeit‘ und es wird keine Unterschiede in der Bezahlung der Mitarbeiter für die gleiche Arbeit geben. Wer weniger arbeitet, verdient auch proportional weniger, wer mehr arbeitet verdient mehr.“